Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse, Diabetes mellitus - BIO-LABOR Fachinformation 04.2004

Die Bestimmung von Enzymaktivitäten im Serum bzw. Plasma stellt einen wesentlichen Bestandteil der klinisch-chemischen Diagnostik dar. Die wichtigsten in den Azinuszellen des Pankreas synthetisierten Enzyme sind die Amylase und die Lipase.

Erhöhte Amylase-Werte finden sich bei akuter Pankreatitis bzw. dem akuten Schub einer chronischen Pankreatitis sowie nach ERCP (Röntgenuntersuchungen mit Hilfe von Röntgen-Kontrastmitteln und einem Spezialendoskop) und bei Abdominalprozessen mit Beteiligung der Bauchspeicheldrüse (z. B. Ileus, Cholezystitis und -lithiasis), aber auch bei malignen Tumoren, Lebererkrankungen, Niereninsuffizienz, diabetischer Ketoacidose, viralen und bakteriellen Infektionen und Parotitis.

Erhöhte Lipase-Werte finden sich ebenfalls bei akuter Pankreatitis bzw. dem akuten Schub einer chronischen Pankreatitis sowie nach ERCP und bei Abdominalprozessen mit Beteiligung der Bauchspeicheldrüse. Geringgradige Lipaseerhöhungen finden sich bei Niereninsuffizienz, diabetischer Ketoazidose, Virushepatitis, bakteriellen Darminfekten oder Parotitis. Beide Enzymwerte korrelieren nicht mit dem klinischen Schweregrad!

Die Labordiagnostik des Kohlenhydratstoffwechsels ist neben klinischen Symptomen der Grundpfeiler für die Diagnose des Diabetes mellitus. Es sollten häufige Messungen der Blutglukose erfolgen. Als unabhängiger Marker für die Kontrolle der metabolischen Situation bei Diabetikern wird als Langzeitparameter das HbA1c eingesetzt (Beurteilung der letzten 4-8 Wochen). Für die Differenzialdiagnose von Hypoglykämien, z. B. Verdacht auf Insulinom, sollte das Insulin bestimmt werden.

Die Labordiagnose kennt aber auch Parameter, die nur indirekt mit dem erkrankten Organ zu tun haben und dennoch wertvolle Hinweise und Verdachtsmomente liefern. Als Beispiel einige Werte, die bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse pathologisch sein können, aber nicht zwingend sein müssen und auch Hinweise auf andere Erkrankungen liefern können:

Alkalische Phosphatase erhöht: akute Pankreatitis, Obstruktion der Gallengänge durch Pankreaskopfkarzinom.
gamma-GT erhöht: akute Pankreatitis, Diabetes mellitus, Pankreaskarzinom.
Direktes Bilirubin erhöht: Pankreatitis, Pankreaskopfkarzinom.
Kreatinin erniedrigt: frühe Phase des Diabetes mellitus.
LDL/HDL-Chol.-Quotient, Gesamt-Lipide, Triglyceride erhöht: Diabetes Typ II.
Kalzium erhöht: Pankreatitis.
Chlorid erhöht: Pankreasfistel.

Wegen dieser Verflechtungen innerhalb des Gesamtstoffwechsels ist deshalb eine Diagnose im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtung des Organismus auch nur mit einer ganzheitlichen Blutanalyse möglich.
Sämtliche Profile beinhalten deshalb ein Screening der wichtigsten Funktionswerte von Herz, Leber, Galle und Pankreas. Bei den Profilen1, [7 und 8 zusätzlich Gesamt-Lipide, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin und Triglyceride mit bestimmen lassen! Im Falle der exokrinen Pankreasinsuffizienz ist die Pankreatische Elastase aus dem Stuhl zu bestimmen (Erniedrigte Werte im Stuhl liefern Hinweise auf exokrine Pankreasinsuffizienz, chronische Pankreatitis und zystische Fibrose).

Bei der Pankreatitis könnte das Ihnen bekannte Therapieschema folgendermaßen angewendet werden:

Auf die Behandlung des Diabetes Typ I wird an dieser Stelle nicht weiter eingegangen.

In der Behandlung des Diabetes Typ II haben wir ungeahnte Möglichkeiten, in jedem Fall eine Verbesserung des Krankheitsbildes und eine Stabilisierung der Blutzuckerwerte herbeizuführen. Voraussetzung ist jedoch: der Patient spielt mit! Es handelt sich um eine ernährungsbedingte Zivilisationskrankheit als Folge einer zu fett- und eiweißreichen Ernährung: die Zellen sind gewissermaßen zugekleistert und das Blutglukosemolekül kommt nicht in die Zelle hinein, so dass ein Zellglukose-Mangel entsteht, der eine Blutglukose-Erhöhung erforderlich macht. Es ist eine Therapie der verursachenden Faktoren wichtig: Ernährungsumstellung mit dem Ziel, die Eiweißanhäufung an der Gefäßwand zu vermindern, und eine Aktivierung des Fettstoffwechsels. Hierzu verweise ich auf die immer noch aktuellen Forschungsergebnisse von Prof. Dr. Lothar Wendt aus den 80er Jahren zum Thema "Eiweißspeicherkrankheiten".

Bei dem Diabetes Typ II könnte das Ihnen bekannte Therapieschema folgendermaßen angewendet werden:

In meinem nächsten Rundschreiben werde ich Ihnen meine Erfahrungen in der Therapie von Erkrankungen des Immunsystems sowie der dazugehörigen Labordiagnostik darlegen.

Manfred Tuppek
Heilpraktiker
Leiter der med. wiss. Abteilung
BIO-LABOR Hemer