Parameterinformation - BIO-LABOR Fachinformation 08.2004

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

bezugnehmend auf mein letztes Rundschreiben heute nun die Informationen zu den neuen Tumormarkerprofilen und Parametern unseres Leistungsspektrums.

::Tumormarkerprofile

Da bei einzelnen Tumormarkern grundsätzlich die Gefahr falsch negativer/positiver Befunde besteht, ist die Bestimmung sich ergänzender Tumormarker sinnvoll. 
Um Ihnen die Auswahl der zur Erhärtung der Verdachtsdiagnose notwendigen Tumormarker zu erleichtern, werden ab sofort die bekannten Tumormarkerprofile TM 1 - TM 4 um die Tumormarkerprofile TM 5 - TM 12 erweitert.
Die Profile sind im Vergleich zur Summe der Einzelmarker wesentlich preisgünstiger.

Nunmehr stehen Ihnen folgende Tumormarkerprofile zur Verfügung:

TM 1 Magen, Darm CEA, CA 19-9, CA 72-4
TM 2 Mamma CEA, CA 15-3
TM 3 Ovarien, Uterus CEA, CA 125, beta-HCG
TM 4 Bronchien, Lunge CEA, NSE, SCC
TM 5 Prostata PSA, Freies PSA
TM 6 Hoden AFP, beta-HCG, PLAP
TM 7 Cervix CEA, SCC, Cyfra 21-1
TM 8 Harnblase SCC, Cyfra 21-1, TPA
TM 9 Kolon, Rektum CEA, M2-PK im Stuhl
TM10 Leber CEA, AFP, IgG, IgA
TM11 Speiseröhre CEA, SCC, CA 19-9
TM12 Pankreas (exkret. u. inkret.) CA 19-9, Insulin

 

::Anmerkung zum freien PSA!

Die Messung des freien PSA ist nur sinnvoll bei PSA-Werten über 4 ng/ml. Die Problematik der PSA-Messung zur Frühdiagnostik des Prostatakarzinoms liegt in dem kritischen Bereich zwischen 4 und 10 ng/ml, da in diesem Intervall die alleinige PSA-Bestimmung nicht zwischen Prostatakarzinom (PCA) und benigner Prostatahyperplasie (BPH) unterscheiden kann. Bei PSA-Konzentrationen zwischen 4 und 10 ng/ml liegt in 26% der Fälle ein PCA und in 74% eine BPH vor. Bei PSA-Werten > 10 ng/ml liegt in 53% der Fälle ein PCA und in 47% eine BPH vor. Bei PSA-Werten > 4 ng/ml stellt demnach das freie PSA eine zusätzliche Entscheidungshilfe zur Abgrenzung des PCA zur BPH dar.

::Cystatin C

Der Nierenmarker Cystatin C zur Ermittlung der glomerulären Filtrationsleistung ist sensibler und spezifischer als Kreatinin. Das Kreatinin ist relativ ungenau, da seine Höhe durch Faktoren wie Muskelmasse, Proteinaufnahme, Lebensalter und bestimmte Medikamente beeinflusst wird. Beispiel: Eine Muskel- und Herzmuskelschwäche im Alter reduziert das Kreatinin und lässt u. U. eine renale Insuffizienz unerkannt.

::Antioxidative Kapazität

Ein Allrounder zur Ermittlung des antioxidativen Potentials. Die Antioxidative Kapazität gibt an, wie groß die Fähigkeit des Blutes ist, mit freien Radikalen zu reagieren und diese zu neutralisieren. Dieser Parameter ist auch geeignet zur Therapiekontrolle nach Ernährungsumstellung und Substitutionstherapie u. a. mit Selen und Zink.

::Glutathion Peroxidase

Gluthation-Peroxidase gilt als universeller Entgifter von Umweltchemikalien, die über die Nahrung oder die Atemluft aufgenommen werden bzw. durch körpereigene Stoffwechselprodukte entstehen (z.B. Formaldehyd, Desinfektions-, Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmittel, Zigarettenrauch, Auto- und Industrieabgase, Amalgam, Blei, Nickel, Cadmium und Quecksilber).
Glutathion-Peroxidase ist selenhaltig und gehört zur Gruppe der körpereigenen Antioxidantien. Sie setzt das aggressive freie Radikal Wasserstoff-Peroxyd, das schon in geringen Konzentrationen Zellbestandteile schädigen und so schwere chronische Erkrankungen wie Blutarmut und Katarakt hervorrufen kann, in harmlose Moleküle um. Sie spielt als intrazelluläres Antioxidans eine ähnlich wichtige Rolle wie das Vitamin E.

::Alpha-1-Antitrypsin

Marker aus dem Stuhl zur Ermittlung von intestinalen Proteinverlusten.
Die Höhe der Ausscheidung dieses Akutphaseproteins ist abhängig von der Höhe des enteralen Eiweißverlustes.
Erhöhte Werte finden sich bei Entzündungen und immunologischen Reaktionen der Darmschleimhaut (z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, nekrotisierende Enterokolitis, Darmtuberkulose, einheimische Sprue, erworbene thorakale/abdominelle Lymphabflußstörungen, intestinales Lymphom, systemischer Lupus eyrythematodes).

::Sekretorisches IgA

Marker aus dem Stuhl zur Ermittlung der Mukosa-Aktivität bei gehäuftem Auftreten von Infektionen der Schleimhäute, Atopien und humoralen Immundefekten. Immunglobulin-A-Antikörper wehren im Bereich der Schleimhäute eindringende Antigene ab. Eine Verminderung des sekretorischen IgA im Stuhl bedeutet somit: verminderte Aktivität des Mukosa-Immunsystems, eine Erhöhung bedeutet: erhöhte Aktivität des Mukosa-Immunsystems durch Entzündung.
Die Konzentration des sekretorischen IgA ist übrigens unabhängig von der Konzentration des Serum-IgA.

Mit kollegialen Grüßen
Manfred Tuppek
Leiter der med. wiss. Abteilung
BIO-LABOR Hemer