Parameterinformation - BIO-LABOR Fachinformation 03.2005

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

im Laufe der letzten drei Jahre meiner Arbeit im BIO-LABOR habe ich unzählige Blutanalysen beurteilt und Telefonate mit Ihnen geführt. Dabei stellt sich mir immer die Frage: auf welche Laborparameter kann man im Rahmen einer biologischen Ganzheitsdiagnose zur Findung einer optimalen biologischen Therapie nicht mehr verzichten? Zu diesen Parametern gehören die Schilddrüsenwerte, die Immunglobuline und bei Frauen die Geschlechtshormone.

Ich kann die zusätzliche Bestimmung dieser Parameter, falls sie im angeforderten Stoffwechselprofil nicht enthalten sind, in der Regel immer empfehlen. Warum, das möchte ich in diesem Schreiben erklären.

Ein deutsches Sprichwort lautet: "Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!"
Eine Krankheit oder Belastung, die ich nicht hinterfrage, erkenne ich nicht,
und eine Therapie, die Wesentliches nicht berücksichtigt, geht unter Umständen ins Leere.


So hat z. B. eine Schilddrüsenfunktionsstörung Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel, auf Regulationen im vegetativen Nervensystem und auf Empfindungen im sensitiven Nervensystem. Die Therapie des gestörten Stoffwechsels oder Nervensystems ist eine Therapie der zugrunde liegenden Ursache, und diese könnte eine Hyperthyreose, eine Hypothyreose oder ein Jodmangelstruma sein. Auch die Bewertung einer Suppressionstherapie (Medikament richtig eingestellt?) ist nur möglich, wenn mir zumindest die Schilddrüsenwerte FT3, FT4 und TSH (Freies Trijodthyronin, Freies Thyroxin und Thyreoidea stimulierendes Hormon) bekannt sind.

Einer Befindlichkeitsstörung liegt u. U. eine Systemstörung (z. B. im Schleimhaut- und Abwehrsystem) oder eine chronische Entzündung zugrunde. Darüber geben mir die Immunglobuline Auskunft.

Beispiele:

IgG: Ist als Antikörper der sekundären Immunabwehr erhöht bei chronischen Infektionen und Hepatopathien. Erniedrigte Werte sind Hinweis auf Proteinverlustzustände (Nephropathien) und Immunsuppression.
IgA: Das "Schleimhaut-Immunglobulin". Erhöhte Werte sind Hinweis auf eine gestörte Immunabwehr an Schleimhautoberflächen, aber auch auf toxische Leberschädigung und organbezogene Beherdung bzgl. der serösen Höhlen, Nasennebenhöhlen u. a. Ein IgA-Mangel bedeutet: Verdacht auf Erkrankung des Respirations- und Magen-Darm-Trakts, Atopien und Autoimmunkrankheiten.
IgM: Ist als Antikörper der primären Immunabwehr erhöht bei akuten Infektionen und akutem Schub einer chronischen Entzündung (primär biliäre Leberzirrhose, akute Hepatitis). Ein IgM-Mangel ist Hinweis auf eine chronisch reduzierte Infektabwehr und Immunsuppression.
IgE: Erhöhte Werte sind Hinweis auf Allergien, Neurodermitis, Ekzeme und parasitäre Infektionen.

Die Interpretation und Therapie pathologischer Immunglobuline ergibt sich natürlich aus der Gesamtbetrachtung mit dem hämatologischen Status und den Stoffwechselwerten.

Die drei wichtigsten weiblichen Sexualhormone sind FSH, LH und Östradiol (Follikel-stimulierendes Hormon, Luteinisierendes Hormon und Östradiol als wirksamstes Östrogen des Eierstocks).

Zur Ursachensuche von Zyklusstörungen und ungewollter Kinderlosigkeit sind das FSH und das LH unerlässlich, zur Beurteilung der Funktion der Eierstöcke das Östradiol.

Die weiblichen Sexualhormone steuern jedoch nicht nur die Fortpflanzungsfähigkeit. Sie wirken auch auf den Gesamtstoffwechsel, die Blutgerinnung, die Leber und den Skelettstoffwechsel. Eine Therapie dieser Systemerkrankungen ist eine Therapie der zugrunde liegenden Ursache, und diese könnte eine Regulationsstörung des weiblichen Endokrinums sein. Deshalb empfehle ich zumindest bei der Frau vor den Wechseljahren, diese Hormone mitzubestimmen.

Abschließend möchte ich Sie jetzt schon auf unser Herbstseminar am 22. Oktober 2005 hinweisen. Es steht unter dem Motto "Kommunikation". Eine gesonderte Einladung wird Ihnen noch zugesandt.

Mit kollegialen Grüßen
Manfred Tuppek
Leiter der med. wiss. Abteilung
BIO-LABOR Hemer