Histamin-, Laktose- und Fructose-Intoleranz - BIO-LABOR Fachinformation 03.2006

Viele Errungenschaften der modernen Labormedizin fanden nach kurzer Zeit keine Beachtung mehr, weil deren Bedeutung überschätzt wurde oder die therapeutische Konsequenz fehlte.

Die in letzter Zeit diskutierte Histamin-, Laktose-, und Fructose-Intoleranz scheint aber unsere Aufmerksamkeit verdient zu haben:

Immer mehr Patienten mit scheinbar allergischer Symptomatik suchen unsere Praxen auf. Doch weder die eosinophilen weißen Blutkörperchen als Hinweise auf Stoffwechselbelastung durch Inhalationsallergene noch der Allergiefaktor Immunglobulin E oder Einzelallergene des IgE-Rast-Tests sind erhöht!

Außer den IgE-vermittelten echten allergischen Reaktionen gibt es nicht-immunologische Reaktionen des Körpers auf den Verzehr bestimmter Nahrungsmittel oder eines bestimmten Lebensmittelbestandteils.
Wir nennen diese Reaktionen Pseudoallergien, Nahrungsmittelintoleranzen bzw. Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Dazu zählen die Histamin-, die Laktose- und die Fructose-Intoleranz.

Histamin ist ein aus der Aminosäure L-Histidin synthetisiertes biogenes Amin, das im natürlichen Stoffwechsel von Mensch, Tier und Pflanzen vorkommt. In seiner Funktion als Mediator bei allergischen und pseudoallergischen Reaktionen wird Histamin vor allem in basophilen Granulozyten und Mastzellen gespeichert, von wo es schnell freigesetzt werden kann.
Hohe Konzentrationen an exogenem Histamin werden dem menschlichen Körper insbesondere mit Lebensmitteln zugeführt, die einen bakteriellen Gärungs- oder Reifungsprozess durchmachen bzw. mikrobiell verunreinigt sind.

Histaminreiche Nahrungsmittel sind u. a.

Neben den histaminreichen Nahrungsmitteln gibt es auch Nahrungsmittel, die zwar selbst keinen hohen Histamin-Anteil haben, aber die Ausschüttung von Histamin im Magen-Darm-Trakt anregen, so genannte Histaminliberatoren. Dazu gehören Ananas, Bananen, Zitrusfrüchte, Kiwi, Nüsse, Schokolade, Eier, Fisch, Milch, Papaya, Erdbeeren, Tomaten, Meeresfrüchte (Krebstiere), aber auch Alkohol, Kaffee, Stress und Angst. Auch Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln (z. B. Glutamat, Benzoate, Farbstoffe, Sulfite, Nitrite) wirken als Histaminliberatoren.

Darüber hinaus blockieren bzw. verbrauchen Biogene Amine das histamin-abbauende Enzym DiAminoOxidase (DAO) im Darm, so dass es für den Abbau von Histamin nicht mehr genügend zur Verfügung steht, z. B. Putrescin, Cadaverin und Tyramin - enthalten in Fleisch, Fisch, Käse und Rotwein. Obst, Gemüse und Nüsse mit hohem Gehalt an biogenen Aminen sind Orangen, Birnen, Tomaten, Grapefruit, Hülsenfrüchte, Bananen, Weizenkeime, Ananas, Cashewnüsse, Papaya, Walnüsse, Himbeeren.

Alkohol, sein Abbauprodukt Acetaldehyd, Detergenzien und bestimmte Arzneimittel können das histamin-abbauende Enzym Diaminooxidase hemmen und dabei eine Histamin-Intoleranz verstärken.

Medikamenten, die die DAO hemmen, sind z. B. die Schleimlöser Acetylcystein und Ambroxol, Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Aminophyllin, Amitryptilin, Chloroquin, Clavulansäure, Isoniazid, Metamizol, Metoclopramin, Propafenon, Verapamil und verschiedene Antibiotika.

Der Abbau von Histamin erfolgt insbesondere über das Enzym DAO, das in den Zellen der Darmschleimhaut (Enterozyten) produziert wird. Die intestinale DAO stellt eine physiologische Barriere gegen Histamin im Darmlumen dar, indem sie dessen Absorption verhindert. Außer im Dünndarm findet sich die DAO auch in Leber, Nieren und Leukozyten und bei Schwangeren in großen Mengen in der Plazenta.

Zusammenfassung: Bei der Histamin-Intoleranz kommt es zu einer verminderten Aktivität der DAO durch Enzymmangel oder Hemmung der DAO, so dass Histamin vermehrt resorbiert wird und allergieähnliche Symptome auslösen kann.

Symptome der Histamin-Intoleranz können sein: Bauchkrämpfe, Blähungen und weiche Stühle bis hin zu Durchfall, Kopfschmerzen, laufender Nase, Atemwegsbeschwerden bis hin zu Asthma, Hautreaktionen wie Juckreiz und Quaddeln; sogar die Herzfunktion wird beeinflusst.

Eine absolute Unverträglichkeit von mit der Nahrung aufgenommenem Histamin gibt es nicht, denn Histamin ist in jeder Nahrung mehr oder weniger enthalten. Das Problem ist vielmehr ein Mangel der DAO oder ein Missverhältnis zwischen der DAO und dem Histamin.

Bei entsprechender Verdachtsdiagnose lassen diese beiden neuen Laborwerte DAO und Histamin aus dem Patientenblut das Missverhältnis erkennen.

Die Labordiagnostik der Histamin-Intoleranz basiert auf der Bestimmung der DAO-Aktivität, die typischerweise erniedrigt nachgewiesen wird. Liegt jedoch ein stark erhöhter Histamin-Serumspiegel vor, so ist trotz normaler DAO-Aktivität von einer Histamin-Intoleranz auszugehen.

Eine Reduktion der Histaminabbaufähigkeit findet man nicht nur primär als isolierte Erkrankung, sondern auch sekundär erworben als Folge anderer Erkrankungsprozesse, z. B. von gastro-intestinalen Allergien und chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Deshalb ist es bei der Histamin-Intoleranz zur Erhöhung der Therapiesicherheit unerlässlich, eine Stuhlanalyse (siehe unten) zur Ermittlung enzymatischer Defekte durchzuführen.

Darüber hinaus leiden fast 30 Prozent der westeuropäischen Bevölkerung unter einer Laktose-Intoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) und/oder einer Fructose-Intoleranz (Fruchtzuckerunverträglichkeit). Auch hier handelt es sich um nicht-immunologische Reaktionen des Körpers auf den Verzehr von Nahrungsmittelbestandteilen.

Die Aufnahme und Verwertung der Zuckerstoffe im Dünndarm ist gestört: Milch- und Fruchtzucker gelangen weitgehend unverdaut bis in den Dickdarm. Die Dickdarm-Bakterien erzeugen eine anaerobe Vergärung, bei der neben Fettsäuren auch Gase wie Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan entstehen. Die Fettsäuren regen die Darmperistaltik an. Symptome wie Durchfall, Blähbauch und Übelkeit sind die Folge. Die Gase entweichen durch Blähungen oder gelangen über die Blutbahn zur Lunge, wo sie abgeatmet werden. Bei empfindlichen Menschen kann es zu heftigem Schwindelgefühl kommen. Milchzucker hat außerdem die Eigenschaft, Wasser zu binden, mit der Folge des "osmotischen Durchfalls".

Der entscheidende Unterschied zu einer echten Nahrungsmittelallergie besteht darin, dass sich die Unverträglichkeitsreaktion nahezu ausschließlich innerhalb des Verdauungstrakts abspielt. Aus diesem Grund ist der Nachweis einer Nahrungsmittelintoleranz mittels der klassischen Allergiediagnostik über Blut und Haut nicht möglich.

Die Eliminationsdiät erfordert eine intensive Mitarbeit des Patienten, ist aber unerlässlich. Der Laktose- und Fructose-Toleranz-Test (Blutzuckermessung vor und nach dem Trinken gelöster Laktose oder Fructose) belastet den Patienten zu sehr; der H2-Atemtest wird in nur wenigen Kliniken und Arztpraxen durchgeführt; die PCR-Untersuchung aus EDTA-Vollblut beantwortet nur die Frage, ob ein genetischer Defekt vorliegt.

Verantwortlich für die Entstehung der Laktose-Intoleranz ist unter anderem der Mangel des Enzyms Laktase (besonders im Alter), für die Entstehung der Fructose-Intoleranz eine Störung des Transportsystems "GLUT-5", welches den Fruchtzucker beim gesunden Menschen in die Dünndarmzellen schleust.

Da es sich also bei der Laktose- und Fructose-Intoleranz um einen Enzymdefekt des Magen-Darm-Trakts handelt, beschränken wir uns bei entsprechender Verdachtsdiagnose labordiagnostisch darauf, eine Stuhlanalyse zur Ermittlung enzymatischer Defekte durchzuführen:

Je nach Ergebnis der durchgeführten Analysen beinhaltet die Therapie eine antimykotische Therapie und Symbioselenkung, zur Beseitigung enzymatischer Defekte im Dünndarm eine "Heilbehandlung" von chron. Entzündungen und Enzymdefekten, eine Aktivierung der exkretorischen Pankreasfunktion oder eine biologische Helicobacter pylori-Therapie - und natürlich den Rat an den Patienten, laktose- und fructosehaltige Nahrungsmittel zu meiden.

Mehr dazu erfahren Sie in einem Vortrag auf unserem BIO-LABOR Herbstseminar am Samstag, 21. Oktober 2006, 10.00 - 18.00 Uhr, wozu Sie schon jetzt herzlich eingeladen sind.

Manfred Tuppek
Heilpraktiker
Leiter der med. wiss. Abteilung
BIO-LABOR Hemer
http://www.heilpraktiker-tuppek.de