Lymphozytendifferenzierung - BIO-LABOR Fachinformation 02/2009

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

wer sich in der Behandlung von schwerwiegenden Erkrankungen wie z. B. Krebs auf wissenschaftlich nicht anerkannte Diagnoseverfahren stützt und Verfahren der klinischen Chemie, Hämatologie und Immunologie außer Acht läßt, handelt fahrlässig und unprofessionell.
So wurde z. B. kürzlich einem Heilpraktiker vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg die Zulassung unanfechtbar entzogen, weil er sich auf die bioelektrische Funktionsdiagnose als Diagnostikum verlassen hatte. Er hatte eine Patientin wegen einer Geschwulst in der Brust behandelt. Auf der Grundlage einer bioelektrischen Funktionsdiagnose war er zum Schluss gelangt, dass es sich um eine gutartige Geschwulst handele. An dieser Diagnose hielt er auch dann noch fest, nachdem das Geschwür auf eine Größe von zuletzt 24 cm Durchmesser angewachsen und aufgebrochen war, und die Patientin stark an Gewicht verloren hatte. Als die Patientin sich schließlich in ärztliche Behandlung begab, wurde ein metastasierendes Mamma-Karzinom festgestellt, an deren Folgen sie schließlich verstarb.

Eine umfangreiche und adäquate Laboranalyse erhöht die Chance, Krebs bereits im Frühstadium zu erkennen:

Insbesondere die Lymphozytendifferenzierung liefert Hinweise auf Einschränkungen der antitumoralen Immunkompetenz, aber auch Hinweise auf die Möglichkeiten der adjuvanten Tumortherapie.

Die Lymphozyten nehmen eine Schlüsselrolle in unserem Immunsystem ein. Die Lymphozytendifferenzierung unterscheidet die verschiedenen Gruppen der im Thymus und im Knochenmark gebildeten Lymphozyten wie T-Helferzellen, T-Suppressorzellen, B-Lymphozyten, zytotoxische T-Zellen, natürliche Killerzellen und aktivierte T-Zellen mit ihren unterschiedlichen Funktionen. Dazu zählen stimulierende aber auch hemmende Wirkungen auf Abwehrzellen. Das menschliche Immunsystem wird in ein humorales und ein zelluläres Immunsystem unterschieden. Die humoralen Immunreaktionen werden im Organismus durch die in B-Lymphozyten synthetisierten Antikörper abgesichert, die zelluläre (zellvermittelte) Immunreaktion ist die durch T-Lymphozyten bedingte Immunantwort. Die NK-Zellen gehören zum zellulären Abwehrsystem. Störungen auch nur einer Zellpopulation können zu schwerwiegenden Krankheiten führen.

Die Lymphozytendifferenzierung als Monitoring des Immunstatus bei HIV-Infektionen und der zellulären Aktivierung nach Transplantationen (Transplantatabstoßung) ist klinisch etabliert, betrifft unsere Arbeit jedoch kaum.
Aber auch bei Krebs, Plasmozytom, unklarer Lymphozytose (Leukämiediagnostik),
Autoimmunerkrankungen sowie gehäuft auftretenden Infektionen bzw. angeborenem humoralem Immundefizit besteht eine Indikation für die Lymphozytendifferenzierung, und zwar nicht nur als Instrument der Früherkennung sondern insbesondere als Verlaufskontrolle nach Therapieetappen bzw. nach einer immunsuppressiven Therapie

Ferner liefert sie Hinweise auf bakterielle Infektionen, rheumatoide Erkrankungen, Sarkoidose, juvenilen Diabetes mellitus und andere Erkrankungen. Beispielsweise wird eine Verminderung der Natürlichen Killerzellen bei Patienten mit chronischen viralen Infektionen, Müdigkeitssyndrom und Depressionen gefunden. Eine andauernde Verminderung dieser NK-Zellen kann zu einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber Virusinfekten und Malignomen führen.

Therapeutische Konsequenz
Die konventionellen onkologischen Behandlungsverfahren Stahl, Strahl und Chemo zeigen leider nur bei wenigen Tumorerkrankungen echte Heilungserfolge bei erheblichen Nebenwirkungen und hohen Kosten. Heilpraktiker und Ärzte sind daher bemüht, auch therapeutisch neue Wege zu gehen. Ziel ist im Allgemeinen die Steigerung der individuellen Abwehrleistung durch Immunmodulatoren wie Zytokine, Interferone, Mistellektine, Vitamine, Antioxidantien und Bakterienlysate. Nach Kontrolle des Immunsystems können durch eine gezielte Anwendung solcher Präparate die zytotoxischen T-Zellen und die NK-Zellen erheblich beeinflusst werden. Auch wenn es nicht immer möglich ist, eine gezielte individuelle immunologische Tumortherapie durchzuführen, können wir zumindest adjuvant das Immunsystem stärken und unterstützen.

Bestimmung aus dem EDTA-Röhrchen
Die Lymphozytendifferenzierung ist enthalten im Profil 6 (Großer Immunstatus).
Eine andere Möglichkeit intensiver Diagnostik wäre das Profil 5 (Erweiterte Basisuntersuchung), erweitert um die Lymphozytendifferenzierung (siehe linke Innenseite des Untersuchungsbogens unter "Immunstatus"), ggf. erweitert um ein spezielles Tumormarker-Profil.

Mit kollegialen Grüßen
Manfred Tuppek
Leiter der med. wiss. Abteilung BIO-LABOR
http://www.heilpraktiker-tuppek.de