Sinnvolle und bezahlbare Stuhluntersuchungen - BIO-LABOR Fachinformation 03/2011

Liebe Kollegin, lieber Kollege,

Stuhluntersuchungen sind im Laufe der Jahre zu einem wichtigen Teil unserer Diagnostik geworden. Es hat sich gezeigt, dass die Ursachen sehr vieler Erkrankungen im Darm zu finden sind bzw. durch den Zustand der physiologischen Darmflora und der Darmschleimhaut beeinflusst werden.
Aber auch dieser Bereich der Labordiagnostik wird vom Erfindungsreichtum einiger Unternehmen nicht verschont, und es ist darum genau zu überlegen, welcher neue Laborwert wirklich sinnvoll und Erfolg versprechend ist. Ein gutes Beispiel dafür sind die Firmicuten (eine Bakterienspezies), die plötzlich verantwortlich für Übergewicht sein sollen. Die Zielgruppe der Übergewichtigen ist für viele Unternehmen von großem Interesse und so wird zur Untersuchung der Firmicuten auch gleich das passende Bakterien-Präparat vermarktet, das die Firmicuten in Schach halten soll, um so das Körpergewicht zu reduzieren. Wie so oft hat sich das Ganze dann doch als falsch herausgestellt, aber wieder wurde ein gutes - wenn auch kurzfristiges - Geschäft mit der Hoffnung Übergewichtiger gemacht!

Leider werden solche Ereignisse bzw. Vermarktungsstrategien einer in vielen Fällen sinnvollen Stuhluntersuchung nicht gerecht. Für die Auswahl einer ganzheitlich orientierten Stuhluntersuchung sollten zwingend immer folgende Punkte beachtet werden:

- Eine therapeutische Konsequenz für die Naturheilkunde muss zur Verfügung stehen.
- Eine Verbindung zwischen Anamnese und Laborparameter muss erkennbar sein.
- Die Nachvollzieh- und Bezahlbarkeit durch den Patienten muss gewährleistet sein.

Werden diese Punkte außer Acht gelassen, erfüllt die durchgeführte Stuhluntersuchung nicht ihren diagnostischen Zweck und ist kontraproduktiv für das Gesamtmarketing einer Praxis. 
Wir favorisieren daher folgende Methode: 

Dysbiose/Pilzdiagnostik
Dieses Verfahren beeinhaltet die Bestimmung der physiologischen Darmflora inklusive der Pilzdiagnostik. Aus dem Ergebnis dieser Untersuchung kann eine gezielte antimykotische Therapie und Symbioselenkung zum Wiederherstellen einer natürlichen Darmflora (z. B. nach einer Antibiose) entwicklet werden. 

+ X
Laborparameter, die in den meisten Fällen als spezifischer Zusatz sinnvoll sind:

Alpha-1-Antitrypsin als Marker für den enteralen Eiweißverlust und Sekretorisches IgA als Aktivitätsmarker des Mucosa-Immunsystems und der Schleimhautpermeabilität empfehlen sich bei Verdacht auf immunologische Insuffizienz der Darmschleimhaut als Ursache pseudoallergischer Prozesse wie Histamin-, Laktose- und Fruktoseintoleranz (niedrige Werte). Erhöhte Alpha-1-Antitrypsin-Werte werden festgestellt u. a. bei Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Gluten-sensitiver Enteropathie. Erhöhtes Sekretorisches IgA bedeutet Verdacht auf erhöhte Aktivität des Mucosa-Immunsystems durch Entzündung.

Pankreas Elastase:
Empfiehlt sich bei Verdacht auf sekretorische Pankreasinsuffizienz. Sie wird parallel zu den Verdauungsenzymen Lipase, Amylase und Trypsin vom Pankreas sezerniert und in den Darm ausgeschüttet. Da die Elastase im Darm nicht gespalten wird, ist sie im Stuhl entsprechend der Sekretion nachweisbar. Erniedrigte Werte bedeuten "Exokrine Pankreasinsuffizienz".

Calprotectin:
Empfiehlt sich bei Verdacht auf chronisch-entzündliche-Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Es ist ein Protein, das bei diesen Erkrankungen vermehrt durch die Darmwand ausgeschieden wird. Normalwerte finden sich bei Gesunden und bei Menschen mit funktionellen Darmproblemen wie dem Reizdarmsyndrom, mäßig erhöhte Werte sind bei Tumoren sowie Infekten nachweisbar, stark erhöhte Werte dagegen bei Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Calprotectin dient daher bei chronischen Darmbeschwerden zur Unterscheidung einer entzündlichen, tumorösen von einer funktionellen Ursache. Es eignet sich als Frühmarker und Aktivitätsmarker bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen als Therapiemonitoring.

Beta-Defensin:
Die Defensine als Bestandteil des angeborenen Immunsystems besitzen ein breites antimikrobielles Wirkungsspektrum gegenüber Protozoen (Lamblien), Pilze (Candida), Viren (Herpes) und Bakterien (E. coli, Salmonellen, Chlamydien usw.). Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, besonders bei Morbus Crohn, könnte eine mangelnde Expression von Defensinen ursächlich für die Pathogenese dieser Erkrankung sein. In der intestinalen Mucosa von M. Crohn-Patienten beobachtet man häufig eine große Keimbelastung potentiell pathogener Errreger in den entzündlich veränderten Schleimhautarealen, die mit einem Mangel oder Fehlen bestimmter Beta-Defensine einhergehen. Dies hat zur Folge, dass die Barrierefunktion der Schleimhäute geschwächt und der Invasion von Keimen Tür und Tor geöffnet ist. M. Crohn wäre demnach ein Defensin-Mangelsyndrom. Bei Colitis ulcerosa konnte bisher kein Defensinmangel nachgewiesen werden. Erniedrigte Beta-Defensin-Werte weisen somit auf eine Permeabilitätsstörung (Leaky-Gut-Syndrom, M. Crohn) hin, erhöhte Werte dagegen auf lokale Entzündungen der Darmmukosa.

Die Durchführung der Stuhluntersuchung nach der Methode Dysbiose/Pilzdiagnsotik + X berücksichtigt alle oben genannten Punkte und hat sich im Laufe der vergangenen Jahren insbesondere bei gesetzlich versicherten Patienten, die Untersuchungen aus eigener Tasche zahlen müssen, bewährt. Diese Methode sowie die zuletzt vorgestellte Methode Basisuntersuchung + Modul werden auf unseren diesjährigen Workshops intensiv besprochen.

Bitte melden Sie sich rechtzeitig zu einer Fortbildung in Ihrer Nähe an, da diese sehr schnell ausgebucht sind! Die Teilnahmegebühr beträgt unverändert 49,-- € (inkl. Blutuntersuchung "Basisuntersuchung", Imbiss, Getränke und Seminarunterlagen). 

Mit kollegialen Grüßen
Manfred Tuppek
Heilpraktiker
Leiter der med. wiss. Abteilung BIO-LABOR
http://www.heilpraktiker-tuppek.de