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Borreliose - Erfahrungsbericht einer Kollegin

Viele unserer Kolleginnen und Kollegen beschäftigen sich intensiv mit speziellen Themen und können diesbezüglich auf umfangreiches Wissen und viele Erfahrungswerte zurückgreifen. Es kann für uns alle nur hilfreich sein, wenn dieses Wissen weiter gegeben wird. Der heutige Artikel zum Thema Borreliose wurde von unserer langjährigen und geschätzten Kundin Kristina Wolff verfasst. Für die Überlassung des Textes danken wir ihr an dieser Stelle sehr herzlich! 

Borreliose
Kristina Wolff, Heilpraktikerin, Regensburg 

Die Diagnose und Therapie der Borreliose ist nicht einfach. Das erste Problem ist die Unzuverlässigkeit der Tests. Es gibt sowohl fasch positive als auch falsch negative Ergebnisse. Um eine weitere Fehlerquelle auszuschließen, ist es wichtig, möglichst immer im selben Labor untersuchen zu lassen, da es immer die gleichen Tests verwendet. Auf das Testergebnis kann man sich leider nicht immer verlassen.

Standard sind zwei verschiedene Tests:
Der Elisa Borrelia burgdorferi IgM-AK und IgG-AK ist ein quantitativer Test; er zählt die Antikörper. Bei Borreliose ist die Höhe der AK nicht entscheidend nach dem Motto: „je höher die AK, desto schwerer die Erkrankung!“. Da das Immunsystem Borrelien nicht richtig erkennt, bleibt auch die Antikörperbildung insuffizient und unzureichend. Man kann also die Schwere der Erkrankung nicht wie bei anderen Erkrankungen an der Höhe der Antikörper ablesen.
Der Western-Blot Borrelia burgdorferi IgM-AK und IgG-AK ist ein qualitativer Test. Er sagt aus, welche Antikörper vorhanden sind. Er bestimmt die Eiweißstruktur der Antikörper und gibt Hinweise auf das Stadium der Erkrankung. Der Blot ist etwas sicherer als der Elisa und schlägt auch eher an.
Insbesondere bei grenzwertigem Elisa-Test eignet er sich zur Bestätigung und weiteren Differenzierung. Er lässt die IgM- und IgG-Reaktion gegen die einzeln aufgeführten Antigene erkennen. In der Regel sollte man aber 4-6 Wochen warten bis man die Antikörper bestimmen lässt, denn vorher hat das Immunsystem leider oft noch nicht reagiert. Das Üble ist, dass diese Zeit dann viel zu spät für das Antibiotikum ist! Es stellt sich also die Frage, auf Verdacht ein Antibiotikum zu nehmen! Jede Woche ist entscheidend!
Kassenpatienten bekommen erst einmal nur den Elisa gezahlt, und nur im positiven Falle den Blot. Da der Elisa aber ein unsicherer Test ist, ergeben sich daraus viele Fehldiagnosen. Es ist also von großer Wichtigkeit, beide Tests durchzuführen und miteinander zu vergleichen

Weitere Diagnostik:
Der LTT (Lymphozytentransformationstest), eine gute Dunkelfelddiagnostik und evtl. eine Zecken-PCR auf Borrelien sollte das Ganze ergänzen. Und zu guter Letzt ist ein Vergleichsblutbild von früher notwendig, besonders wenn es sich um eine Zweitinfektion handelt. Nur in der Summe der Befunde kann eine Borreliose sicher diagnostiziert werden. Das sicherste Zeichen wäre noch das Erythema migrans, was recht zeitnah nach dem Zeckenstich auftaucht. Da es allerdings nur in ca. 50% der Fälle auftaucht, ist auch darauf kein Verlass.

Bei einer Erstinfektion bildet der Körper zunächst IgM und mit der Zeit IgG. Es ist allerdings unterschiedlich, wie lange das Immunsystem dazu braucht. Erfolgt die Blutentnahme zu früh (innerhalb der ersten vier, manchmal sechs Wochen), ist das Ergebnis fasch negativ. Bei einer Zweitinfektion bildet das Immunsystem oft nur noch IgG bzw. es vermehrt die vorhandenen IgGs. Es gibt allerdings auch persistierende IgM-Antikörper, die nach der Erstinfektion nicht richtig zurückgehen und dann den falschen Anschein einer Erstinfektion oder noch frischen Infektion erwecken. Das IgM kann sich ungefähr bis zu 6 Monaten halten.

Es ist also immens wichtig, ein Ausgangsblutbild zu haben, um den Befund richtig zu interpretieren. Jeder sollte dieses unabhängig von einer Infektion bestimmen lassen. Denn wenn nur IgG vorhanden ist, kann man nicht beurteilen, ob die Antikörper von einer früheren Infektion stammen oder ob eine erneute Infektion vorliegt, die schon einige Wochen alt ist und bei der kein IgM gebildet wurde. Auch bei Erstinfektionen ist es wichtig, einige Zeit nach der Therapie eine Kontrolle durchzuführen, um für den Verdacht einer Zweitinfektion wieder ein Ausgangsblutbild zu haben. Die Diagnose kann nur sicher im Vergleich der Blutbilder bestimmt werden, außer es wäre bei der Zweitinfektion das Erythema migrans vorhanden. Dieses ist beweisend für eine erneute Infektion, tritt allerdings wie erwähnt nur in 50 % der Infektionen auf (nämlich dann, wenn die Erreger in der Haut verweilen). Eine weitere Schwierigkeit ist, dass das Erythema migrans nicht immer so typisch aussieht wie man es kennt. Dann könnte man wieder fehlgeleitet werden.

Auch die Therapie der Borreliose stellt immer noch große Probleme dar, da das Wissen der meisten Heilpraktiker und Ärzte nach wie vor sehr unzureichend ist. Eine Antibiose bei einer Infektion ist eigentlich ein MUSS! Das Immunsystem ist nicht in der Lage, Borrelien adäquat zu bekämpfen, da es sich hier um Spirochäten handelt. Spirochäten haben die Eigenschaft, sich schnell zu tarnen, zu verändern und in die Zellen zu verschwinden. Dadurch kann das Immunsystem sie nicht richtig erkennen und dagegen vorgehen. Es gibt wenige Ausnahmefälle, in denen ein starkes Immunsystem vorliegt und die Zecke nur wenige Borrelien hatte; da mag einige Zeit keine Erkrankung ausbrechen. Weil man das nicht wissen kann, ist die Gefahr einer chronischen Borreliose zu groß, um leichtsinnig zu handeln. Die Nebenwirkungen einer Antibiose sind ungleich geringer. Im Laufe der Jahre, wenn das Immunsystem auch „älter“ wird oder wenn man durch eine andere Erkrankung geschwächt wird, schlagen die Borrelien immer zu! Es ist eine Frage der Zeit, wann man erkrankt. Eine reine naturheilkundliche Therapie kann die Infektion so stabilisieren, dass sie nicht ausbricht oder dass die Symptome verschwinden, aber meiner Meinung nach kann sie die Borrelien nicht zuverlässig abtöten.
Symptomfreiheit ist nicht gleichzusetzen mit Borrelien-Freiheit! Daran wird in der Regel nicht gedacht! Man kann nach einem klassisch homöopathischen Mittel zwar symptomfrei sein, aber ganz sicher nicht Borrelien-frei! Auch durch andere naturheilkundliche Therapien können sie Erfolge erzielen, aber keine oder keine dauerhafte Borrelien-Freiheit. Dazu braucht es ein ständiges basisches Milieu. Unter gewissen Umständen „poppen“ die Borrelien eben dann wieder auf und die Symptome werden ihnen nicht mehr zugeordnet. Das sind in der Regel die therapeutischen Fehler. Eine Stabilisierung durch Naturheilkunde ist hier lebenslang nötig! Gewissheit bekommen Sie in solchen Fällen durch eine gute Dunkelfelddiagnostik und den LTT, am besten bei IMD Berlin.

Es ist bekannt, dass auch verschiedene Stechmücken, besonders Bremsen, Träger von Borrelien sind. Hier wird man mit einem Stich sofort infiziert; es gibt keinen Zeitfaktor, wie bei den Zecken. Junge Zecken, Nymphen genannt, die weniger als ein Millimeter groß und durchsichtig sind, können auch schon Träger von Borrelien sein. Da man diese mit bloßem Auge nicht sieht, sondern erst, wenn sie nach Tagen größer und dunkel geworden sind, geht Ihnen die Infektion „durch die Lappen!“ Kratzen Sie sich, ohne richtig hinzuschauen, an der oder den Stellen, haben Sie nicht einmal bemerkt, dass es eine Zecke oder mehrere waren. Bekannt sind inzwischen auch Übertragungen durch Flöhe, Milben etc. 

Es gibt verschiedene Antibiotika, die verordnet werden. Die Standardtherapie ist Doxycyclin 200 mg über nur zwei bis drei Wochen. Das ist in der Regel zu kurz und zu unterdosiert. Damit produziert man meistens eine chronische Borreliose. Obwohl es Stimmen gibt, die behaupten, es gäbe inzwischen Resistenzen, greift das Mittel in der Regel gut, wenn es sofort nach dem Zeckenbiss ausreichend lange und hoch genug dosiert gegeben wird. Bei chronischen Borreliosen greift es schon nicht mehr so gut. Eine chronische Borreliose ist extrem schwierig behandelbar und hinterlässt meist einen chronischen Schaden. Es ist nicht ausreichend, nach ca. drei Monaten eine Antibiose von nur zwei bis drei Wochen durchzuführen, da man mehrere Teilungsraten der Borrelien erwischen muss und ein Antibiotikum braucht, das umfassender wirkt. Hier ist Minocyclin über viele Wochen und Monate in einer Dosierung von 2x100mg (einschleichend) besser, weil es zusätzlich liquorgängig ist und überhaupt bei den chronischen Borreliosen besser wirkt. Evtl. sind weitere Antibiotika, auch in Kombination mit einem Malariamittel, nötig, was aber alles in Händen der Ärzte liegt, die darauf spezialisiert sein müssen. Mein größtes Problem ist es, einen Arzt zu finden, der sich auskennt und da mitmacht! Abgesehen davon ist es ein großer Unterschied, ob ein Patient mehrere Hundert oder mehrere Millionen Spirochäten im Blut hat. Danach richtet sich die Länge der Antibiose natürlich auch.

Bei der Antibiose ist die so genannte „Herxheimer-Reaktion“ zu beachten, die durch die zerfallenen Spirochäten zustande kommt. Dabei werden Endotoxine frei, die allerlei Beschwerden verursachen, sodass man nicht immer erkennen kann, ob die Antibiose wirkt. Denn die Beschwerden durch Borrelien sind ähnlich wie die Beschwerden durch ihre Toxine.
Ich habe  auch erlebt, dass die Borrelien weitgehendst abgetötet wurden, aber die Symptome im Sinne einer „Schleife“, ähnlich wie beim Schmerzsymptom weiterlaufen. In diesen Fällen muss man das Immunsystem umstimmen.
Eine wochenlange Antibiose ist für den Körper eine große Belastung und sollte ausreichend naturheilkundlich unterstützt werden. Aber alleine das Antibiotikum tötet leider die Borrelien in manchen Fällen immer noch nicht. Leber, Nieren, Darm, Immunsystem, Ausleitung und Entgiftung müssen gestärkt werden, und der hohe Bedarf an Vitaminen und Mineralien muss substituiert werden. Deshalb unterstütze ich die Infektion mit vielen Mitteln, auch noch mit weiteren keimtötenden pflanzlichen Substanzen.

In aller Munde ist inzwischen die Karde, Dipsacus fullonum. Sie ist in hoher Dosierung von ca. 3 x täglich 15-20 Tropfen einzunehmen, da sie die versteckten Borrelien ins Blut lockt und zum Teil (nur zum Teil!) abtötet. Falls eine Antibiose keinen Sinn macht, ist zu überlegen, ob man dieses Mittel gibt, denn die Gefahr einer Reinfektion durch ins Blut geschwemmte Borrelien ist gegeben. Und falls man damit große Erfolge ohne Antibiose erzielt hat, stellt sich die Frage, ob nicht eine Fehldiagnose vorlag oder ob es sich nur um eine leichte Borreliose mit starkem Immunsystem gehandelt hat. Ansonsten sollte natürlich symptomatisch therapiert werden und im Besonderen das Immunsystem gestärkt werden, um Verbesserungen zu erreichen und um einen späteren Ausbruch der Infektion abzumildern. Spätestens im Alter, wenn das Immunsystem nachlässt, schlagen die Borrelien zu!

P.S.: Rheuma-, MS-, und Fibromyalgiepatienten sollten immer auf Borrelien untersucht werden. Bei Patienten, die mit Immunsuppressiva (MTX, Interferone, Cortison ab 10 mg etc.) behandelt werden, sind die Tests falsch negativ. Deshalb ist man auf die Dunkelfelduntersuchung angewiesen. Inwieweit chronische Borreliosen die CCP-AK oder ANA beeinflussen, ohne dass tatsächlich eine Autoimmunerkrankung vorliegt, ist noch nicht geklärt...

Buchempfehlung:  Dr. Petra Hopf-Seidel „Krank nach Zeckenstich – Borreliose erkennen und wirksam behandeln“, Knaur-Verlag, ISBN 978-3-426-87392

Beachte: In mehreren Bundesländern ist die Behandlung von verschiedenen Formen der Lyme-Borreliose den Heilpraktikern untersagt und für Ärzte meldepflichtig!