Übersehenes Krebsgeschehen

In dieser Fachinformation stellen wir Ihnen einen Laborbefund vor, der ein über die Naturheilkunde hinausgehendes und sehr schnelles Handeln von Ihnen verlangt - ein Laborbefund mit akutem Krankheitszustand, der unter Umständen von einem vorbehandelnden Kollegen (Arzt oder HP) übersehen wurden.

An dieser Stelle versichern wir Ihnen, dass wir Sie in solchen Fällen niemals allein lassen. Unser Qualitätsmanagement sieht dafür ein klar definiertes Handen vor: In der Allgemeinen Arbeitsanweisung "Durchsagepflichtige Laborwerte" sind die Parameter benannt, die Ihnen im Falle extrem pathologischer Werte von den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unverzüglich telefonisch, per Fax oder Mail mitzuteilen sind. Ferner ist die weitere Vorgehensweise mit Ihnen zu besprechen.

Beipiel aus der Praxis Sylke Weppner: Patientin, 65 Jahre, unklare Magen-Darm-Beschwerden, Gewichtsverlust, starker und häufiger Stuhldrang mit Bleistiftstuhl, Adynamie, Ernährung: vegetarisch.
(Voruntersuchungen zwei anderer HP erbrachten wenig verwertbare Ergebnisse. Einmal hieß es, die Schilddrüse sei das Problem, so dass die Patientin zuerst durch ein tiefes Tal müsse.)

Sylke Weppner veranlasste folgende Blutuntersuchung: Kleiner Immunstatus + Tumormarker CEA, CA 19-9, CA 72-4
(Bei den anschließend vorgestellten Laborbefunden beschränken wir uns der Übersichtlichkeit halber auf die für den jeweiligen Fall entscheidenden Laborparameter!) 

Leucozyten 10800 /µl 4000 - 9000
Hämoglobin 11,3 g/dl 12,0 - 16,0
Erythrocyten 3,94

Mill/µ

4,10 - 5,10
Hämatokrit 33,1 Vol.% 36,0 - 45,0
Neutrophile 83,1 % 50 - 72
Lymphozyten 9,1 % 25 - 40
Natrium 307,5 mg% 312,6 - 331,0
Calcium 8,32 mg%

8,90 - 10,30

IgG 1774,2 mg/dl 792,0 - 1644,0
CRP 231,6 mg/l < 7,5
Tumormarker alle negativ    

Normochrome Anämie, im Blutbild Anzeichen einer bakteriellen Infektion (Leukozyten hoch, Linksverschiebung im Differenzialblutbild), CRP mit 231,6 deutlich erhöht, IGG erhöht, Natrium und Calcium erniedrigt.
Anzeichen für eine bakterielle Infektion sind hier bildbestimmend. In Verbindung mit der Anamnese sind andere Verdachtsmomente gegeben.
Bedenke: Erhöhte CRP- und IgG-Werte können Anzeichen für ein Tumor sein, genau wie der Bleistiftstuhl.

Sicherheitshalber wurde eine Stuhldiagnostik veranlasst: Pathogene Darmkeime, Parasiten, Calprotectin und Tumor M2-PK.

Pathogene Darmkeime negativ    
Parasiten negativ    
Calprotectin 1483,2 mg/kg Stuhl < 50
Tumor M2-PK 120,5 U/ml < 4

Handelt es sich eher um eine Chronisch entzündliche Darmerkrankung (erhöhtes Calprotectin >>> CED!) mit einem durch die Entzündung erhöhten Tumor M2-PK? Oder ist es doch ein Colon-CA, welches das Calprotectin erhöhen ließ?

Wie auch immer: Bei solchen Laborwerten muss ein Gastroenterologe konsultiert werden.  

Dass es sich eher um ein Colon-CA handelt ist einerseits der Anamnese zu entnehmen, andererseits den Laborwerten. Ein so hoher Tumor M2-PK ist nicht durch eine Entzündung des Darmes zu erklären (bei Werten bis 20 ist das hingegen wahrscheinlich). Wenn man jetzt bedenkt, dass stark erhöhte CRP -Werte und erhöhte IgG-Werte immer auch hinweisgebend für ein Krebsgeschehen sein können (wie auch der Bleistiftstuhl immer ein Zeichen für einen Tumor im Enddarm sein kann), dann dürfte die Situation klar sein.

Und so war es auch! Die anschließende Koloskopie zeigte einen faustgroßen bösartigen Tumor im Enddarm, der operiert wurde. Die Diagnose und das Handeln von Frau Weppner haben der Patientin das Leben gerettet.

Fazit:

1. Verlassen Sie sich nicht auf die Diagnosen Ihrer Kollegen bzw. lassen Sie sich nicht von diesen Diagnosen beirren (Wäre ja auch ein Kunstfehler!) Gehen Sie immer Ihren eigenen Weg!

2. Zäumen Sie das Pferd nicht von hinten auf, sondern kümmern Sie sich um die vorrangig wichtigen Dinge . (Beispielsweise wären Untersuchungen des Vitamin D3, des oxidativen Stress oder des Kryptopyrrols an dieser Stelle teuer und vollkommen kontraproduktiv gewesen!)

3. Bringen Sie immer Ihre Anamnesedaten mit den anderen diagnostischen Daten in Einklang!