Arzneinebenwirkungen - Laborwerte

Der hier vorgestellte Laborbefund stellte uns wegen seiner vielen pathologischen Werte vor ein Rätsel. Selbstverständlich haben wir uns auch in diesem Fall mit dem Behandler in Verbindung gesetzt. Dieses Beispiel zeigt auch, wie wichtig die Anamnese und das Abfragen der aktuellen - vor allem schulmedizinischen - Medikation der Patienten sind. Zum einen beeinflusst die Medikation bestimmte Laborparameter "kosmetisch" (z. B. L-Thyroxin die Schilddrüsenwerte oder Simvastatin die Fettstoffwechselwerte), zum anderen kann sie maßgeblich an der Entstehung stark pathologischer Werte beteiligt und somit für die Schädigung der betreffenden Organe verantwortlich sein. hier könnte jedoch auch die Einnahme eines starken Antidepressivums Ursache für die pathologischen Laborwerte sein.

Beispiel aus der Praxis Hubertus Schnüttgen:
Patient, 56 Jahre, Depressionen (mit Antidepressiva behandelt), vollkommen adynamisch, keine Lust raus zu gehen, leichter Gewichtsverlust, Ernährung: Mischkost

Herr Schnüttgen veranlasste folgende Blutuntersuchung: BIO-LABOR Basisuntersuchung 
(Auch in diesem Beispiel beschränken wir uns der Übersichtlichkeit halber auf die für diesen Fall entscheidenden Laborparameter!)

Achten Sie bei Laborbefunden immer auf die Einheiten und die Normwerte. Hier: Internationale Einheiten!

Leucozyten 1600  /µ  4000 - 9000 
Hämoglobin  9,1  g/dl 13,0 - 18,0
Erythrozyten    
3,48 Mill/µ  4,50 - 5,90  
Hämatokrit     28,0 Vol.% 42,0 - 50,0
MCH   26,1  pg  27 - 34 
Neutrophile   75,9  % 50 - 72 
Lymphozyten    14,2 % 25 - 40 
Eisen   6,1  µmol/l 8,0 - 33,0 
Natrium   131,0   mmol/l 136,0 - 144,0 
Calcium  2,16   mmol/l  2,23 - 2,58 
Kupfer    25,40 µmol/l  11,00 - 22,00 
Ges. Eiweiß     56,4 g/l 65,0 - 81,0 
Harnstoff   10,6 mmol/l  < 9,4 
Kreatinin    139,9  µmol/l   54,0 - 110,0
Rest-N    4,73 mmol/l < 3,86
Alk. Phosphatse  175,0  U/l  30,0 - 120,0  
Gamma-GT    137,0 U/l   < 55,0  
Alpha Amylase    162,0  U/l < 100.00 
GLDH    9,90  U/l < 6,4 
GOT    90,6 U/l  < 35,0  
LDH   
415,0 U/l  < 248,0
Lipase     335,0 U/l  < 51,0
CRP    8,4 mg/l  < 7,5 
Cholesterin   5,73 mmol/l   < 5,20 
Triglyceride    3,91 mmol/l   < 1,95
LDL/HDL      4,3   < 3
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Hinweise auf entzündlich Prozesse, renale Insuffizienz, Stauungen im Leber-Galle-Bereich, Fettstoffwechsel- und Durchblutungsstörungen sind noch relativ dezent. 

Die deutliche hypochrome Anämie und der erhöhte Harnstoffspiegel dagegen deuten auf einen massiven Blutverlust. Ähnliche Befundkonstellationen sieht man bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen mit Darmbluten.
Die Leukopenie und der massive Mangel an Lymphozyten deuten auf eine Störung der weißen Blutbildung. Differenzialdiagnostisch müssen M. Hodgkin und HIV ausgeschlossen werden!
Die deutlich erhöhten Pankreaswerte (insbes. Lipase) sind Hinweis auf eine akute Pankreatitis.
Bei hoher Alkalischer Phosphatase in Verbindung mit deutlich erhöhtem LDH müssen proliferative Prozesse bzw. Knochentumoren und Metastasen ausgeschlossen werden.

Das Ergebnis dieser Analyse lässt sehr viele Diagnosen und Therapieansätze zu, trotzdem ist die einzelne Diagnosestellung und der einzelne Therapievorschlag u. U. unwichtig im Vergleich zu einer Grundkrankheit, die hier gar nicht zu Tage tritt.
Anders ausgedrückt: Ich kann zwar die Bedeutung eines jeden einzelnen Wertes beschreiben und Organ- und Systembelastungen formulieren, die Grundkrankheit ist dennoch nicht offensichtlich.
Natürlich erfordert ein solcher Befund weitere Untersuchungen.

Die anschließend veranlassten umfangreichen Untersuchungen in einer Klinik ergaben allerdings keine organischen Auffälligkeiten. Vermutet wurde, dass Nebenwirkungen des Antidepressivums maßgeblich an der Entwicklung der pathologischen Laborwerte beteiligt. waren. 

Eine wichtige therapeutische Maßnahme in solchen Fällen kann zunächst also auch das Absetzen eines Medikaments und die Kontrolle der pathologischen Laborwerte nach einigen Wochen sein. Zum jetzigen Zeitpunkt liegen uns noch keine neuen Ergebnisse vor. Wir werden Sie aber über die Entwicklung informieren.

Fazit:

1. Überprüfen Sie immer, welche Medikamente - vor allem schulmedizinische - der Patient einnimmt und bringen Sie diese in Einklang mit Labor- und Anamnesedaten. Denken Sie vor allem an den zeitlichen Zusammenhang des Auftretens von Beschwerden und der Einnahme von Medikamenten.  

2. Beschäftigen Sie sich mit den Nebenwirkungen der Medikamente (Weiteres Beispiel: Cholesterinsenkende Mittel können Muskelschmerzen hervorrufen).

3. Zäumen Sie das Pferd nicht von hinten auf, sondern kümmern Sie sich um die vorrangig wichtigen Dinge. Beispielsweise steht hier nicht eine naturheilkundliche Therapie im Vordergrund, sondern zunächst weitere Untersuchungen und das Absetzen des Antidepressivums als eine mögliche ursächliche Therapie.