Differenzierung Reizdarm und chronisch entzündliche Darmerkrankung

Ein Laborparameter aus der Stuhldiagnostik, der immer häufiger in Anspruch genommen wird, ist das Calprotectin.  Es ist aus gutem Grund der Parameter der Wahl, wenn es um die Differenzierung zwischen Reizdarm bzw. multipler Unverträglichkeiten und chronisch entzündlicher Darmerkrankung (CED) geht.

Vielen neueren Laborparametern stehen wir mit großer Skepsis gegenüber, und diese Skepsis bestätigt sich in vielen Fällen. Das Calprotectin im Stuhl ist jedoch einer der neueren Laborparameter, die uns diagnostisch tatsächlich ein solides Fundament für eine biologische Therapie liefern.
Da bei unterschiedlichen Darmerkrankungen die Symptomatik sehr ähnlich sein kann, ist es im Sinne des Patienten und für die Entwicklung eines wirksamen biologischen Therapiekonzeptes unerlässlich die richtige Stuhldiagnostik durchzuführen. Natürlich ist genauso Ihre Anamnese von Bedeutung! Insbesondere dann, wenn Symptome wie massive Durchfälle, Erbrechen oder auch Fieber kurzfristig aufgetreten sind. Hier ist immer an Parasiten bzw. path. Darmkeime  zu denken. 
In den meisten Fällen haben unsere Patienten die Beschwerden aber schon länger. Wenn Durchfälle zum Beschwerdebild gehören, und eine echte Zölikaie ausgeschlossen ist, sollte die klassische Stuhldiagnostik (Pilzdiagnostik/Dysbiose + Alpha-1-Antitrypsin + Sekretorisches IgA) um das Calprotectin ergänzt werden. 

Beispiele

1. CED (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) 

Handelt es sich bei der Erkrankung um eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, wird das Calprotectin erhöht sein. Alpha-1-Antitrypsin und Sekretorisches IgA können in dieser Situation ebenfalls pathologische erhöht sein, aber eben auch nicht (z. B. unter Cortison).  Der erhöhte Tumor-M2-PK im folgenden Beispiel ist der entzündlichen Situation geschuldet, nicht einem CA. Das wird auch durch den negativen Hb/Hp-Komplex sowie das negative Hämoglobin bestätigt.

Calprotectin >800 <50 mg/kg
Alpha-1-Antitrypsin 37,7 12,5 - 60 mg/dl
Sekretorisches IgA 825,8 500 - 2000 µg/ml
Hämoglobin i. Stuhl negativ  
Hämoglobin/Haptoglobin i. Stuhl negativ  
Tumor M2 PK 22,3 <4,0 U/ml

 

2. Reizdarm bzw. Multiple Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Ist das Calprotectin negativ hat der Patient keine CED und gehört eher zu den Patienten mit multiplen Unverträglichkeiten. In einem solchen Fall ist die Beurteilung von Alpha-1-Antitrypsin und Sekretorisches IgA bedeutungsvoll. Zwei typische Befundkonstellationen stelle ich Ihnen kurz vor:

Erniedrigte Werte Alpha-1-Antitrypsin und/oder Sekretorisches IgA weisen immer auf eine insuffiziente Darmschleimhaut mit der Folge einer Nahrungsmittelintoleranz hin: 

Calprotectin 20 <50 mg/kg
Alpha-1-Antitrypsin <12,5 12,5 - 60 mg/dl
Sekretorisches IgA <500 500 - 2000 µg/ml

Erhöhte Werte Alpha-1-Antitrypsin und/oder Sekretorisches IgA hingegen sprechen für entzündliche Situationen, in die ein Reizdarmpatient "rutscht", wenn er seiner Schleimhaut zu viel zugemutet hat: 

Calprotectin 20 <50 mg/kg
Alpha-1-Antitrypsin 120,5 12,5 - 60 mg/dl
Sekretorisches IgA 2200 500 - 2000 µg/ml

Natürlich gibt es noch viele andere Konstellationen. Diese aber alle vorzustellen, würde den Rahmen sprengen.