Darmerkrankungen? Calprotectin!

Es gibt viele Laborparameter, die diagnostisch nicht das halten, was sie versprechen. Calprotectin hingegen hat sich als valider Laborwert in der Stuhldiagnostik bewährt und ist zu einem Standardparameter für die Diagnostik von Darmerkrankungen geworden. Nicht zuletzt aus diesem Grunde ist er Bestandteil unseres Stuhluntersuchungsprofils 4 (STP4 ) geworden. Calprotectin empfiehlt sich bei Verdacht auf chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn.

Es ist ein Protein, das bei diesen Erkrankungen vermehrt durch die Darmwand ausgeschieden wird. Normalwerte finden sich bei Gesunden und bei Menschen mit funktionellen Darmproblemen wie dem Reizdarmsyndrom, mäßig erhöhte Werte sind bei Tumoren sowie Infekten, deutlich erhöhte Werte bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa nachweisbar. Calprotectin dient daher bei chronischen Darmbeschwerden zur Unterscheidung einer entzündlichen, tumorösen von einer funktionellen Ursache. Es eignet sich als Früh- und Aktivitätsmarker bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen als Therapiemonitoring. Ferner finden sich auch bei folgenden Erkrankungen erhöhte Calprotectinwerte: Ösophagitis, Erosive Gastritis, Magenulcus, Divertikulitis, Ischämische Colitis.

Das Stuhluntersuchungsprofil 4 (STP4) enthält außer dem Calprotectin die Pilzdiagnostik/Dysbiose (optional Pilztypisierung), Alpha-1-Antitrypsin, Sekretorisches IgA und Beta-Defensin. Alpha-1-Antitrypsin und Sekretorisches IgA sind sehr sensible Aktivitätsmarker der Darmmukosa, die schon bei relativ harmloser Reizdarmsymptomatik deutlich erhöht und abhängig von der Zufuhr nicht vertragener Nahrungsmittel großen Schwankungen unterworfen sein können. Bei Kindern sind leicht erhöhte Werte u. U. physiologisch und nicht einer Entzündung, sondern der erhöhten Aktivität in der akuten Wachstumsphase geschuldet! Calprotectin dagegen steigt erst an, wenn tieferliegende Schichten der Darmmukosa entzündlich umgebaut sind, was bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen der Fall ist. Insbesondere bei Colitis ulcerosa ist Calprotectin deutlich erhöht.

Eine Besonderheit weist das Beta-Defensin auf: Niedrige Werte sind Hinweis auf eine Schwäche des darmassoziierten Immunsystems und auf eine Permeabilitätsstörung bzw. Leaky-Gut-Syndrom. Bei Colitis ulcerosa sind sowohl Calprotectin als auch Beta-Defensin erhöht. Morbus Cohn dagegen ist ein Defensin-Mangelsyndrom. Insofern werden bei M. Crohn in aller Regel hohe Calprotectin-, jedoch niedrige Beta-Defensin-Werte gemessen